Feministen/-innen, Genderlogen/-innen und Ungleichheitsforscher/-innen werden schon beim Titel aufschreien: "Typisch Frauen?! WAS ist typisch für Frauen? Oh, was ist das denn für eine Generation, in der Emanzipation keine Bedeutung mehr hat?!"
Als angehende Soziologin müsste ich mich wohl auch damit auseinandersetzen, ob es so etwas wie "Typisch Frauen"/"Typisch Männer" existiert. Doch da der Abend sehr weit fortgeschritten ist, hier nur eine kleine Geschichte aus unserem Familienleben.
Vorher sei gesagt, dass ich zwei Schwestern, eine Mutter und einen Vater zu meiner Familie zähle. Aufmerksame Leser werden merken: vier Frauen, aber nur ein Mann im Haus. Nun zur Geschichte:
Meine Schwester, Mama und ich teilen uns ein Auto. Ein wunderschönes, großes, silbernes. Ein Glücksdrache. Wenn mich jemand fragt, wie der Name der Marke ausgesprochen wird, zögere ich, denn für meine Zunge sind dort zu viele "S"' eingebaut. Wenn jemand meine Schwester fragt, wird sie wohl ein wenig mehr erzählen können; Mama weiß auch einiges, aber spätestens, wenn es um den Hebel zum Öffnen der Motorhaube geht, wissen auch sie nicht weiter.
Heute morgen bin ich alleine gefahren, auf dem Nachhauseweg jedoch nahm ich die liebste Lia mit. Auf der Hinfahrt hörte ich ein Geräusch, sorglos, wie ich nun mal bin, fuhr ich ungestört meine liebste Geschwindigkeit (180 km/h. Seit heute hat Mama übrigens ein Schnellfahrverbot über mich verhängt...). Als Lia fuhr, wurden die Geräusche lauter und dringlicher. Natürlich kontrollierten wir alles Offensichtliche, wussten aber auch nicht, wonach wir suchen sollten. Mama fuhr eine Runde, grübelte, doch auch sie kam nicht auf die Ursache für die Lärmbelästigung. Hysterisch fingen wir an, über mögliche Fehler zu diskutieren, die jemand - und damit war ich gemeint - beim Fahren gemacht haben könnte. Es wird zickig. Vorwurfe fallen. Die Situation eskaliert. Frauen. Nach einigen Minuten Stille, einem Meer aus Tränen und vielen lieben Worten sind wir wieder vertragen.
Wir planen die Fahrt für Morgen. Wer fährt wann, wo, wie in den nächsten Tagen. Jeder muss sich einschränken.
Dann kommt der Vater nach Hause. Ängstlich-angespannt beichten wir ihm von dem unbekannten Kaputt. Er legt die Stirn in Falten, klopft die Räder und die Dinger um die Räder herum ab, fasst unter das Fahrwerk (oder wie das heißt) und beweist, dass er weiß, wie man unter die Motorhaube blickt. Dann steigt er in Fuchur, das Glücksauto, und dreht eine Runde. Gespannt warten wir im Wohnzimmer, blicken immer wieder zur Tür. Mama wundert sich, wohin er gefahren sein könnte. Dann hören wir ihn parken, die Tür zuschlagen und das Haus betreten. Ungeduldig starren wir ihn an. Er blickt von einer zur anderen... und lacht uns erst mal herrlich aus: Wir machen den größten Stress und das einzige Problem sind Schrauben, die nicht fest waren.
Typisch Frauen eben, oder!?
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