Nachdem ich schon mit meiner Ästhetik ein ähnliches Thema tangiert habe, hier eine weitere Stilübung zum Friederich.
Meinem Gretchen
Wie nah liegen doch Leidenschaft und Wahnsinn bei einander, wie zwei Verliebte eng umschlungen; kaum spürbar, wo das eine aufhört und das andere beginnt. Und ich liebe dich, oh, wie sehr ich dich liebe! Dein Wesen ist froh und frei. Dein Lachen erfüllt ganz nur mein Herz. Deine Schönheit zu beschreiben, reichen die Worte mir kaum.
Ich beobachte dich, wenn du schläfst. Wie schwarze Fliegenbeine liegen deine Wimpern auf den hohen Wangen. Ich sammele Fliegenbeine und puste sie wie Wimpern von meinem Daumen. Ich wünsche mir nur dich!
Bei jedem Senken und Heben deiner Brüste streicht dein schnurrender, regelmäßiger Atem über mein Gesicht. Ich drücke mein Gesicht tief in das weiche Fell einer Katze. Ich höre nur dich!
Dein Haar hat die Farbe von schwarzem, lackiertem Ebenholz, gerade so wie die Farbe der Stühle in der Stube. Ich weiß wieder, wie du dein Haar schmeißt und bürstest und hochsteckst, wenndie Splitter der zerborstenen Stuhlbeine fliegen. Ich sehe nur dich!
Immerzu sind deine Hände in Bewegung, fahren dorthin, streichen hier. Wie kleine Spatzen fliegen sie hoch hinauf und trippeln über das Klavier. Zwei Vögel halte ich in meinen Händen, so fest als seien es deine. Ich fühle nur dich!
Das Rot deiner Lippen verspottet mich, weist mich zurück. Zwei Mal nur knallt die Peitsche. Die herumwirbelnden Bluttropfen schmecken wie Küsse von dir. Ich liebe nur dich!
Wie zwei Verliebte eng umschlugen liegen wir bei einander. Ich spüre kaum, wo ich aufhöre und du beginnst. Du spürst nichts. Leidenschaft und Wahnsinn.
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